Großes Konzert für und mit Bezirkskantor Matthias Flierl
Niemand verlässt ein Konzert der Kantorei Hochrhein unberührt. Eng verbunden mit dem Konzerterlebnis der Extraklasse ist der Name Matthias Flierl. Elf Jahre lang war er Bezirkskantor der evangelischen Kirchengemeinde Waldshut. Nun wechselt er an die Marktkirche in Hannover. Am 1. Februar findet das Abschiedskonzert in der Versöhnungskirche statt. Stattsofa hat sich mit Matthias Flierl über seine Zeit in Waldshut unterhalten.
Stattsofa: Herr Flierl, welche Herausforderungen haben Ihre Zeit in Waldshut geprägt?
MF: Kinder und Jugendliche haben heute weniger Freizeit, das heißt: Es wird schwieriger, sie für den Chorgesang zu gewinnen. Wir haben aber einen Schlüssel gefunden – er liegt darin, dass ich schon im Kindergartenalter die Kinder für den Gesang gewinnen konnte. Kinder, die früh die Freude am Singen entwickeln, bleiben oft auch dabei.
Herausfordernd war sicherlich auch die Vielfältigkeit meiner Aufgaben: Zeit fürs Orgelüben zu finden, die Chöre gut vorzubereiten, mit Menschen aller Altersgruppen umzugehen, die Verwaltung ordentlich zu erledigen… Wobei es auch sehr schön ist, so viel Gestaltungsspielraum zu haben. Und es gab viel Dankbarkeit von allen Seiten zurück.
Stattsofa: Was waren für Sie die Höhepunkte Ihres Schaffens?
MF: Die großen Konzerte sind sehr intensive Momente, die dichte Atmosphäre im Konzert und auch diese intensiven Gefühle, die die Musik bei den Mitwirkenden und Zuhörenden auslöst. Aber auch viele kleine Momente im Alltag wie beispielsweise eine schöne Chorprobe – nicht groß aber trotzdem sehr erfüllend.
Stattsofa: Wie hat sich Kirchenmusik in den letzten Jahren entwickelt?
MF: Das Interesse an Kirchenmusik ist nach wie vor sehr groß. Das Vorurteil, dass nur alte Leute Zugang zu dieser Art von Musik haben, kann ich nicht bestätigen. Es gibt auch immer wieder sehr junge Leute, die beispielsweise von der Matthäuspassion begeistert sind. Natürlich müssen auch Veränderungen angegangen werden, um andere Zielgruppen zu erreichen. Beispielsweise haben wir einige Konzertformate auf Eintritt frei umgestellt, um die Hemmschwelle zu senken. Die Besucherzahlen bei den kleinen Konzerten sind höher, das Publikum insgesamt durchmischter. Auch Kooperationen mit anderen Veranstaltern oder auch Kinderchöre führen zu mehr Publikum. Auch die Öffentlichkeitsarbeit hat sich verändert: Plakatwerbung ist weiterhin sinnvoll und richtig, das Internet spielt aber auch eine wichtige Rolle.
Stattsofa: Was nehmen Sie mit von Ihrer Tätigkeit hier?
Meine Familie (meine Frau und meine beiden Kinder) und ich nehmen eine sehr intensive Beziehung zur Region mit. Wir ziehen zwar weg, haben aber Wurzeln geschlagen, meine Kinder sind hier geboren. Sehr viele Freundschaften sind gewachsen, wir werden uns mit der Region immer verbunden fühlen. Ich empfinde eine sehr große Dankbarkeit, dass man mir diese Aufgabe in meinen jungen Jahren anvertraut hat. Dieses Vertrauen nehme ich auch mit.
Stattsofa: Am 01. Februar 2026 werden Sie Ihr letztes großes Konzert hier in Waldshut dirigieren. Was ist das Besondere daran?
MF: Das Konzert am 01.02.2026 war ursprünglich für Mai 2026 geplant. Im Hinblick auf meinen Weggang konnten wir es vorverlegen. Es war ein Kindheitstraum von mir, die drei Werke von Brahms, Schubert und Mendelssohn, aufzuführen. Ein wunderbarer Abschluss. In der „Nänie“ von Brahms geht es um ein Gedicht von Schiller, das von der Vergänglichkeit alles Schönen handelt, jedoch in der Kunst weiterlebt. Die „Unvollendete“ von Schubert ist für jeden Dirigenten ein Traum und gehört für mich zu den schönsten Sinfonien, die es gibt. Wir haben aus verschiedenen Stücken ein Programm zusammengestellt, das in sich sehr schlüssig ist und wo die Texte zueinander in Bezug stehen.
Vielen Dank und alles Gute Herr Flierl!
Matthias FlierL
Chorgesang hat wieder Konjunktur. Derzeit singen 80 Erwachsene in der Kantorei Hochrhein sowie 60 Kinder-und Jugendliche in der Kinderkantorei. Erfreulicherweise gibt es wieder mehr singende Kinder als vor Corona. Der Erfolg ist auch sein Erfolg: Bezirkskantor Matthias Flierl. In Waldshut trat er gleich dem Studium seine erste Festanstellung an. In Hannover wird er in einem Team von Kirchenmusikern arbeiten und als Organist sein Können zeigen.
Was sind die Aufgaben eines Bezirkskantors?
Der Bezirkskantor ist hauptamtlich angestellter Kirchenmusiker der Kirchengemeinde. Das Spektrum umfasst Liturgische Gestaltung von Gottesdiensten, Leitung von Kinder- und Jugendchören sowie der Erwachsenenkantorei, Unterrichten von Orgelschülerinnen und Orgelschülern sowie Chorleiterinnen und Chorleitern, Veranstaltung und Organisation von Konzerten, Verwaltungsaufgaben und die Unterstützung der z.T. ehrenamtlich tätigen Personen im Hinblick auf kirchenmusikalische Arbeit.