Unverkennbar: Die Kunst von Ilse Werner

Die diesjährige Preisträgerin der Bräunlich-Bieser-Stiftung heißt Ilse Werner. Die Künstlerin, die in Rickenbach lebt, hat ihre ganz eigene künstlerische Handschrift entwickelt.

Ilse Werner steht nicht gerne im Mittelpunkt. Sich zu vermarkten wie es der moderne Kunstmarkt teilweise fordert, widerstrebt ihrer Bescheidenheit. Ihre Werke sollen für sich sprechen – ein Glück, dass ihre Kunst gesehen wird. Im Gespräch erzählt Ilse Werner von ihren Anfängen, die reichen bis weit in die Schulzeit am Gymnasium in Bad Säckingen zurück. Der Kunstleistungskurs besuchte damals den Isenheimer Altar in Colmar. „Da ist mir eine Welt aufgegangen“ –beschreibt Ilse Werner das prägende Kunsterlebnis. Ein wichtiger, erster Mentor war auch ihr Kunstlehrer Herr Schwertschlag, dessen Namen sie heute noch kennt. Er weckte in ihr das Interesse an der Kunst, ein Fundament, auf das sie später im Studiengang Kunsterziehung an der Pädagogischen Hochschule in Lörrach weiter aufbaute. Zunächst galt ihre Leidenschaft der Zeichnung, wobei sie sich vor allem auf ausdrucksstarke Porträts konzentrierte. Neben Bekannten aus ihrem Umfeld fanden auch bedeutende Kulturschaffende wie Thomas Mann, Fanny Hensel und Ingeborg Bachmann den Weg auf ihr Papier. Auch Menschen, die im Exil leben, faszinierten Werner; eine beeindruckende Auswahl dieser Werke war vor einigen Jahren im Schlosskeller in Tiengen zu sehen.

Mitte der 90er-Jahre wagte sie dann den Sprung in die Welt der Farben. Eine Initialzündung war der Besuch in einer Lübecker Galerie. Eine andere Künstlerin ermutigte sie, mit Pastell- und Ölfarben zu malen. Schnell wurde Ilse Werner klar, dass ihr die satten, warmen Farben und deren lasierende Art und Weise besonders liegen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Künstlerin parallel an mehreren Werken arbeitet, denn der Schaffensprozess mit seinen vielen Trockenphasen ist oft sehr langwierig. Im Gesamtblick fällt ihr selbst auf, wie ihre frühen Werke mit den aktuellen Arbeiten in Verbindung stehen. 

© Ilse Werner

Im Gespräch betont Ilse Werner, dass es für sie wichtig gewesen sei, an Wettbewerben teilzunehmen. So beispielsweise an jenem der Randenkommission (zu dessen Mitgliedern auch der Landkreis Waldshut zählt). Aus diesen Wettbewerben knüpfte sie Kontakte zu wichtigen Künstlern in der Region wie Peter Schütz, Dani Waldner und Bernd Salfner. Kollegen aus der Kunstszene seien für sie genauso Inspiration wie regelmäßige Besuche in Kunstmuseen, besonders oft zieht es sie nach Basel.

Auf die Frage nach künstlerischen Vorbildern betont Ilse Werner, dass diese über die Jahre variieren. Wahre Kunst entstehe, wenn das Gesehene mit den eigenen Ideen verschmelze, sagt die Preisträgerin.

 

Für Ilse Werner gilt: Kunst ist frei, offen und absichtslos. Gerade die Mehrdeutigkeit ihrer Bilder sei ihr wichtig; sie versteht sie als ein Angebot an den Betrachter, selbst zu erkennen, was er darin sehen und deuten möchte.

Besonders interessant und wichtig sind für Ilse Werner die Rückmeldungen des Publikums. Sie freut sich auf die Begegnungen. Eine gute Gelegenheit dazu bietet sich am 04., 11. und 18. Oktober, wenn die Künstlerin von 14-17 Uhr persönlich bei der Ausstellung im Schloss Tiengen anwesend sein wird.