Zeit und Vergänglichkeit sichtbar machen.

Die aus Reutlingen stammende Künstlerin Inge Rau liebt das Experimentieren. Sie arbeitet mit chemischen Prozessen und Materialien, um abstrakte, oft "verfallene" Strukturen zu schaffen, die Zeit und Vergänglichkeit sichtbar machen.

Inge Rau

INge Rau

Inge Rau ist in Degerschlacht bei Reutlingen aufgewachsen und lebt heute in Dietelhofen. Von 1974 - 1977 absolvierte sie an der PH Reutlingen ein Kunststudium. Ihre darauffolgende Lehramtstätigkeit gab sie 1995 auf und ist seither freischaffende Künstlerin. Ihr Hauptinteresse galt schon immer den Techniken des Tiefdrucks, bei denen Säuren zum Einsatz kommen. Seit 1997 sind ihre Werke bei vielen Einzelausstellungen im In- und Ausland zu sehen - ab 10. Februar 2026 im Kreismuseum in St. Blasien, zu den regulären Öffnungszeiten: 

Dienstag bis Sonntag 14.30 Uhr – 17.00 Uhr

Eintritt: Erwachsene 2,50 € / mit Kurkarte 2,00 € / ermäßigt 1,50 €.

Inge Rau gehört zu jenen zeitgenössischen Künstlerinnen, die sich bewusst an der Grenze zwischen Kontrolle und Zufall bewegen. Im Zentrum ihres Schaffens steht nicht das klassische Malen mit Farbe, sondern ein experimenteller Umgang mit Material und chemischen Prozessen. Säure, Metall, Rost und Patina werden bei ihr zu gestalterischen Mitteln – zu einer Art „Malerei mit Zeit“.

Ihre Arbeiten entstehen häufig auf Stahl, Leinwand oder Papier. Durch gezielt eingesetzte Säurekorrosion greift Inge Rau in das Material ein und überlässt zugleich einen Teil des Prozesses den natürlichen Reaktionen. Oxidation, Verfärbungen, Linien und Strukturen entwickeln sich eigenständig und machen den Entstehungsprozess sichtbar. Das Ergebnis sind abstrakte Bildwelten, die oft an Landschaften, geologische Formationen oder organische Oberflächen erinnern.

© Udo Eggi

Thematisch kreist ihr Werk um Vergänglichkeit, Wandel und die Spuren der Zeit. Rost und Korrosion stehen dabei nicht für Zerstörung allein, sondern für Transformation. Inge Rau richtet den Blick auf die ästhetische Qualität des Verfalls und hebt jene Schönheit hervor, die im Unperfekten, Brüchigen und Prozesshaften liegt. In einigen Arbeiten verstärkt sie diese Spannung durch Kontraste – etwa durch den Einsatz von Blattgold, das Glanz und Beständigkeit suggeriert und dem scheinbar Verfallenen gegenübersteht.

Das Schaffen von Inge Rau ist geprägt von einer ruhigen, konzentrierten Bildsprache, die den Betrachter zur Entschleunigung einlädt. Ihre Werke verlangen kein schnelles Erfassen, sondern eröffnen sich im genauen Hinsehen: als Zeugnisse eines Dialogs zwischen künstlerischer Entscheidung, Materialeigenschaft und Zeit.