Impressionismus à la Klettgau

Wer den Impressionismus im Paris der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sucht, wird heute in Erzingen fündig. Dort lebt und arbeitet Ingrid Veit. Stattsofa hat die Künstlerin daheim besucht und festgestellt, dass in dieser Stilrichtung noch viel Leben steckt.

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Urkunden, Auszeichnungen, Pokale und vor allem viele, viele Bilder schmücken das Malzimmer von Ingrid Veit, in dem sie zum Gespräch bittet. Wobei die Malerin gleich klarstellt, dass sie eigentlich am liebsten draußen in der Natur malt, wie sich das für eine Impressionistin gehört. Monet oder Van Gogh, die sie als Vorbilder nennt, waren sich schließlich auch nicht zu schade, aus ihren Ateliers zu gehen und dem richtigen Motiv, dem guten Licht und der besonderen Stimmung nachzuspüren. „Ich bin ein Naturmensch“, sagt Ingrid Veit. „Ich lebe in Verbindung mit der Natur und wohne in der Landschaft“. Mit ihrer Kunst möchte sie den Betrachter dazu animieren, „mit offenen Augen“ zu leben und das Wesen der Dinge hinter dem Schein zu erkennen. Das Ziel, ein bewusstes Dasein zu führen, gilt ebenso abseits der Kunst, ist Ingrid Veit überzeugt.

"Ich lebe in Verbindung mit der Natur und wohne in der Landschaft" - Ingrid Veit

Neben der Inspiration, die sie aus der Umwelt erlangt, ist in vielen von Veits Werken die Bezugnahme auf eine Symbolik christlicher Prägung unverkennbar. Mit dem Thema Frieden hat sie sich eingehend auseinandergesetzt. Allerdings scheut sie sich nicht, auch sperrigere Phänomene des Glaubens, wie etwa die Spaltung der Konfessionen, künstlerisch zu verarbeiten. Ihre letzte Einzelausstellung „Gedenken“ im April dieses Jahres fand in der St. Georg Kirche in Erzingen statt.

In ihrem Werdegang hat die Künstlerin jedoch auch fernab des Klettgaus gewirkt und Anerkennung erhalten. Ein besonderes Erlebnis war die Einladung der Monet-Stiftung nach Giverny, wo sie im berühmten „Jardin d’eau“ jene Seerosen (oder Nachkommen jener Seerosen) malen durfte, die einst der große Meister festhielt. „Aber ich hatte nicht ewig Muse zum Malen“, scherzt Veit. Der Wassergarten wird von Besuchern stark frequentiert und die Öffnung für die ausgewählten Künstler war nur eine kurze Ausnahme.

Mehr Zeit hatte Ingrid Veit auf ihrer Studienreise durch Guatemala. Daraus entstand die Serie „Reisebilder Guatemala“, die erstmals in der guatemaltekischen Botschaft in Berlin gezeigt wurde – und die sie gerne aktualisiert erneut ausstellen würde. „Ja, das wäre ein schönes Projekt“, schwärmt Ingrid Veit. „Und wenn’s hier in der Region zustande kommt, dann wär’s noch schöner.“

Text: Eduardo Hilpert

Ingrid Veit

Hofacker 22
79771 Klettgau-Erzingen