„Einen Augenblick“

Unter diesem Titel stellt Irma Bucher vom 24. September bis zum 22. Oktober 2023 ihre Arbeiten im Schlosskeller in Tiengen aus. Zum ersten Mal zeigt sie neben ihren „Kopfsteinen“, wie sie ihre aus Stein gemeißelten Köpfe nennt, auch ihre Skizzen. Stattsofa hat sie zum Interview getroffen.

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Stattsofa: Liebe Frau Bucher, wie sind Sie zur Kunst gekommen? Hat Sie ein Künstler oder eine Künstlerin besonders beeinflusst?

Irma Bucher: Durch meine musik- und literaturaffine Mutter und meinen Vater, Grafiker und Bildhauer, war bei uns zuhause Musizieren, Zeichnen und Modellieren eine Selbstverständlichkeit, somit auch seit meiner Kindheit mein Berufswunsch. Beeinflusst wurde ich später natürlich durch die Zusammenarbeit mit anderen Bildhauern, Künstlerkollegen und den Steinhauern in den Steinbrüchen.

Stattsofa: Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben? Wie arbeiten Sie künstlerisch?

Irma Bucher: Mit „Fühlern“ unterwegs sein und neugierig bleiben.

Stattsofa: Sie haben aus verschiedenen Gesteinen aus Europa, unter anderem aus Natursteinen, individuelle Köpfe gefertigt, die Sie „Kopfsteine“ nennen. Warum gilt Ihr Interesse vor allem menschlichen Charakteren?

Irma Bucher: Ich bin von geselliger Natur – außer, wenn ich mich konzentriere.

Rotlava von Irma Bucher

Stattsofa: Die Ausstellung im Tiengener Schloss ist eine Premiere. Zum ersten Mal zeigen Sie neben Ihren Skulpturen auch Ihre Skizzen aus Kohle-, Pastellkreide- und Tusche in einer Ausstellung. Warum haben Sie diese bisher vor der Öffentlichkeit geheim gehalten?

Irma Bucher: Das Skizzieren ist für einen Bildhauer eine Selbstverständlichkeit. In den bisherigen Ausstellungen wurden meine Skulpturen immer mit den Gemälden anderer Maler kombiniert, so dass meine zeichnerischen Arbeiten nie ins Konzept passten.

Stattsofa: Sie arbeiten als freischaffende Künstlerin in Ihrem Atelier in Sissach, unweit von Basel. Können Sie uns ihren Schaffensprozess erläutern?

Irma Bucher: Handelt es sich um Fundstücke, haue ich sie frei - also zu - um zu wissen ob und wie sie sich für eine weitere Bearbeitung eignen. Ich kaufe aber auch von Steinhändlern oder vor Ort in den Steinbrüchen größere Blöcke und lasse sie dann gezielt zu fräsen oder aufspalten. Glücklicherweise habe ich diesbezüglich die Unterstützung meines Mannes Matthias Sauter, der selber Steinmetz und Mitinhaber einer Steinhandelsfirma ist.

Für mich bedeutet meine Arbeit ein fortwährendes Dazulernen, Schauen, Hören und Mich-inspirieren-Lassen. Grundsätzlich ist mir der Respekt gegenüber dem Gestein und seinen Eigenschaften dabei immens wichtig. Der bildhauerische Prozess ist eine Art Zusammenarbeit zwischen mir und dem Stein, bestenfalls eine Symbiose. Ich schaue, was mir der Stein „anbietet“. Es hat aber eine Zeitlang gedauert, bis ich soweit war, dieses Vertrauen in den Stein zu entwickeln. Früher habe ich dem Stein eher meine Ideen aufgezwungen, zum Teil nach dem Vorbild von Gipsmodellen, oder nach Personen, die als Modell posierten.

Interview: Layla Nieden. Fotos: Irma Bucher

Irma Bucher

Künstlerin