Ivan Korneev
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Ballett kann man in jedem Alter beginnen

In der Volkshochschule Bad Säckingen gibt es ein Kursangebot der Extraklasse. Unter der Leitung von Ballettmeister Ivan Korneev können Interessierte Ballett auch noch als Erwachsene auf professionelle und zeitgemäße Art erlernen. Korneev durchlief seine Ausbildung in der renommierten Bolschoi-Ballett Akademie in Moskau. Später war er unter anderem Erster Solist an der Semperoper in Dresden und am Staats-Theater in Wiesbaden. Stattsofa hat Ivan Korneev befragt, wie er die großen Kenntnisse an die Schülerinnen und Schüler weitergibt.

Stattsofa: Im Film und in der Literatur wird der Unterricht an einer Ballettschule häufig als äußerst streng und perfektionistisch bis ins Schmerzvolle dargestellt. Woher kommt dieser Mythos? Wie war Ihre Erfahrung in der Elite des Balletts?

Ivan Korneev: Dieser Mythos hat sicherlich viel mit der Geschichte des klassischen Balletts und mit seiner Darstellung in Filmen und Büchern zu tun. Tatsächlich war die Ausbildung in der Vergangenheit oft sehr streng und von einem großen Leistungsdruck geprägt. Auch meine eigene Ausbildung an der Bolschoi-Ballett Akademie in Moskau war anspruchsvoll und diszipliniert. Man musste täglich sehr konzentriert arbeiten und lernen, mit hohen Anforderungen umzugehen.

Aber Disziplin und Schmerz sind zwei völlig verschiedene Dinge. Professionelles Training bedeutet nicht, den Körper zu überfordern. Im Gegenteil: Man muss seinen Körper sehr genau kennen, richtig trainieren und seine Grenzen respektieren. Gerade beim Unterricht mit Erwachsenen ist mir wichtig, dass die Freude an der Bewegung und die persönliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen. Jeder Mensch bringt andere körperliche Voraussetzungen mit, und darauf muss ein guter Lehrer eingehen.

Stattsofa: Wie können sich Interessierte einen typischen Kurstag bei Ihnen vorstellen? Welche Elemente dürfen in keinem Ballettunterricht fehlen?

Ivan Korneev: Eine Ballettstunde beginnt in der Regel an der Stange. Dort arbeiten wir an den Grundlagen: Körperhaltung, Ausrichtung, Fußarbeit, Beinachsen, Port de bras (Arme) und Koordination. Danach geht es in die Mitte, wo Gleichgewicht, Drehungen, Sprünge und verschiedene Schrittfolgen hinzukommen.

Ein wichtiger Bestandteil ist für mich auch die Musikalität. Ballett ist nicht nur eine Abfolge von technischen Übungen – es ist eine Verbindung von Bewegung, Musik und Ausdruck. Deshalb versuche ich, neben der Technik immer auch die Freude am Tanzen und die künstlerische Seite zu vermitteln.

Weit mehr als technische Perfektion: Der Fokus auf Musikalität und Ausdruck war Ivan Korneev bereits während seiner aktiven Ballettkarriere wichtig

Stattsofa: Was bereitet Ihnen selbst am meisten Freude am Unterrichten?

Ivan Korneev: Am schönsten ist es für mich, die Entwicklung meiner Schülerinnen und Schüler zu sehen. Jeder Mensch lernt anders und hat andere Voraussetzungen. Wenn jemand zunächst eine Bewegung nicht versteht und sie nach einiger Zeit plötzlich gelingt, ist das ein sehr schöner Moment.

Besonders freue ich mich, wenn Erwachsene entdecken, dass sie noch etwas völlig Neues lernen können und dabei selbstbewusster werden. Für mich ist es eine große Freude, mein Wissen und meine Erfahrung aus meiner Zeit als Tänzer weiterzugeben und Menschen für das Ballett zu begeistern.

Stattsofa: Was würden Sie jenen Interessierten raten, die noch zweifeln, ob Ballett das Richtige für sie ist?

Ivan Korneev: Einfach ausprobieren! Man muss nicht bereits beweglich sein, keine Vorkenntnisse haben und schon gar nicht den Körper eines professionellen Tänzers mitbringen. Ballett kann man in jedem Alter beginnen.

Natürlich braucht man Geduld, denn Fortschritte kommen nicht immer sofort. Aber genau das macht den Prozess interessant. Wer regelmäßig trainiert, wird feststellen, dass sich nicht nur die Technik verbessert, sondern auch Körpergefühl, Haltung, Koordination und Musikalität.

Und ganz wichtig: Ballett sollte Freude machen. Man sollte keine Angst davor haben, etwas nicht zu können. Jeder hat einmal angefangen.

 

Fragen: Eduardo Hilpert (Volkshochschule Bad Säckingen)

© Foto und Film: Ivan Korneev