Jochen Frank Schmidt

Intendant des Gloria-Theaters in Bad Säckingen

„Ein Chirurg verkauft Leben, wir verkaufen Glück“

Stattsofa trifft Jochen Frank Schmidt zum (Re-)Start des Musicals „Tommy Tailors Traumfabrik“ im Gloria Theater in Bad Säckingen und schaut dabei auf die Geschichte des Hauses zurück.

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Stattsofa: Herr Schmidt, wie ist das alte Gloria zu einem Musical-Theater geworden?

Schmidt: Im Jahr 2000, ein Jahr nach meinem Abitur, schrieb ich mein erstes Musical „Lust am Leben“. Drei Vorstellungen waren geplant, stattgefunden haben 28. Nach den Veranstaltungen saß ich mit den Vereinen zusammen und man hat sich unterhalten. Ich wollte einen Ort, an dem ich hochwertige Kultur anbieten konnte. Die Stadthalle Waldshut habe ich als nicht geeignet gesehen und der Kornhauskeller ist meiner Meinung nach eher was für Rockkonzerte. Nach meinem Studium kam die Frage auf „Was jetzt?“. Mein Geschäftspartner Alexander Dieterle und ich wollten eine Kulturhalle bauen, geplant war diese im Kaitle in Waldshut. Schlussendlich haben wir das Gloria-Theater in Bad Säckingen gerettet. Teile des Gemeinderates waren für den Abriss des Theaters, das dann mein Geschäftspartner Alexander Dieterle, die Förderfreunde des Gloria-Theaters und ich in Eigenregie renovierten und aufpolierten. Wir haben das denkmalgeschützte Theater vor dem geplanten Abriss gerettet und verwandelten es in ein Schmuckstück zurück.

Stattsofa: Kennen Sie Alexander Dieterle schon länger oder hat sich das einfach so ergeben?

Schmidt: Tatsächlich kennen Alexander und ich uns seit unserem 15. Lebensjahr. Wir haben uns damals im Warteraum vor der Klavierstunde kennengelernt. In der neunten Klasse – Alexander war eine Stufe über mir – kam er auf mich zu und meinte „Hey, du kannst singen und Klavier spielen, wir wollen eine Band gründen, möchtest du dabei sein?“. Wir haben dann tatsächlich unsere Band „Omikron“ gegründet und zwei Alben veröffentlicht. Es hat alles damals im Partykeller von der Familie Dieterle begonnen. Tatsächlich proben wir seit einem Monat wieder und möchten nächstes Jahr Konzerte spielen.

Freut sich, endlich "Tommy Tailors Traumfabrik" vorstellen zu dürfen: Jochen Frank Schmidt

Stattsofa: Wie sind Sie denn mit der Coronasituation zurechtgekommen?

Schmidt: Es war wie ein Albtraum, der nicht enden wollte. Wir haben für alle Situationen einen Plan B, wir sind auch gegen alles abgesichert, aber leider gehört eine Pandemie nicht dazu. Wir haben sieben Shows gespielt, bis endgültig dicht war, damit haben wir nie gerechnet. Kurz vor Weihnachten 2020 waren wir nicht weit entfernt von einer Insolvenz. Das Personal hatten wir in Kurzarbeit geschickt. Crowfunding war dann die Lösung, 700 Menschen haben uns 70.000 € geschenkt! Am meisten haben mich Kinder berührt, die 3 € gespendet haben, weil sie weiterhin unsere Kinder-Musicals besuchen wollten.

Stattsofa: Und nun, Herr Schmidt, was sind Ihre Ziele?

Schmidt: Unser Ziel ist es momentan zu überleben. Wir freuen uns sehr, unser aktuelles Musical Tommy Tailors Traumfabrik endlich vorstellen zu können! Langfristig ist unser Ziel, eine Kulturstadt für die abgehängte Region zu gründen. Gerne würden wir unser Haus weiter ausbauen, um Leuten mehr Glück zu schenken. Ein Chirurg verkauft Leben, wir verkaufen Glück.

Stattsofa: Zum Abschluss würde ich noch gerne wissen, was denn Ihr Lieblingsmusical ist?

Schmidt: Da muss ich erst überlegen, ich habe natürlich schon sehr viele gesehen… aber ich würde sagen „Wicked“, die Hexen. Natürlich gibt es ganz viele tolle Musicals, ich sehe das auch nicht als Konkurrenz an!

Interview und Bild: Jessica Dell

gloria theater

Bad Säckingen

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