Menschen betrachten
Der Kunstverein Hochrhein präsentiert vom 14.09.-14.10.2025 in der Villa Berberich in Bad Säckingen Malerei und Fotographien von Marga Golz, Ralph Schulz und Dieter Weissenberger.
Menschen zu betrachten entspricht unserer Natur als sozialen Wesen. Wir erkennen, ob unser Gegenüber uns freundlich oder aggressiv gesinnt ist und wir können uns in die emotionale Situation anderer einfühlen. Werbung stellt Menschen und ihr Tun in den Mittelpunkt, um uns Inhalte zu vermitteln.
In der aktuellen Ausstellung „Menschenbilder“ in der Villa Berberich in Bad Säckingen finden sich ganz unterschiedliche Herangehensweisen in der Darstellung von Menschen:
Für Marga Golz aus Lörrach ist das „Menschenbild ein wandelbares Motiv: Es geht um Begegnung und Distanz, um Individualität und Anpassung“, formuliert die Malerin in der Begleitbroschüre ihrer ausgestellten Gemälde. Diese Spannung zwischen Darstellung des Selbst und gleichzeitiger Konformität von Kleidung oder Körperhaltung findet Ausdruck in der Serie „Jeans, Jeans, Jeans“ und führt direkt zur Bildsprache der sozialen Medien. Die Künstlerin hinterfragt Vorstellungen von Schönheit durch Verfremdung, Übertreibung oder Ironisierung und ermöglicht uns neue Sichtweisen – auch auf uns selbst.
Das Foto zeigt (von links nach rechts) die drei Künstler Dieter Weissenberger, Marga Golz und Ralph Schulz
© Sylvia Vetter
Eigene Erlebnisse und Eindrücke verarbeitet der Waldshut-Tiengener Künstler Ralph Schulz in seinen ausgestellten Werken: „Indem ich meine Emotionen auf die Leinwand bringe, verarbeite ich sie.“ Er malt seine Empfindungen mit kräftigem Strich, ausdrucksstark und pur: Seine Körper sind nackt, die körperliche Erfahrung starker Gefühle vermittelt sich dem Betrachter unmittelbar.
Dieter Weissenbergers Porträts wirken fotorealistisch. Aber welche Wirklichkeit stellen seine Bilder dar? Ist die Frau mit dem sympathischen Lächeln tatsächlich entspannt? Weshalb verdeckt eine Fellmütze ein Gesicht? Häufig offenbart erst das Verweilen des Blicks auf die Bilder Doppelbödiges und Abgründiges. Beim Betrachten ist man fasziniert und gleichzeitig verunsichert. „Ja, manche meiner Bilder stehen wie auf Messers Schneide, an einem Kippmoment zu existenziellen Erfahrungen. Grundlegend menschliche Themen stelle ich so exemplarisch dar“ beschreibt der vielseitige Freiburger Künstler. In seinen Werken findet man das „Unheimliche in der Kunst“ und wird dadurch mit Unbewusstem konfrontiert.
Der Besuch der Ausstellung beeindruckt sowohl mit der Ausdrucksstärke der Exponate, als auch mit der Vielfalt der künstlerischen Positionen.
Text und Foto: Sylvia Vetter