Görwihl: Albschlucht und Höllbachschlucht
Mittel
Die Albschlucht und die Höllbachschlucht zählen zu den beeindruckendsten Naturdenkmälern im südlichen Hotzenwald und bieten Wandernden einzigartige Einblicke in die Kräfte der Natur.
Details der Tour
Empfohlene Jahreszeit
- J
- F
- M
- A
- M
- J
- J
- A
- S
- O
- N
- D
Besonderheiten der Tour
Aussichtsreich / Geologische Highlights
Aussichtsplattform am Kaibenfelsen eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die Alb, während der kleine Höllbach, ein seitlicher Zufluss der Alb, besonders durch seine sehenswerten Wasserfälle begeistert. Zwischen sonnenverwöhnten Hochflächen und tief eingeschnittenen Felsschluchten zeigt sich die gewaltige Erosionsleistung der Gewässer, die dem Rhein zufließen, auf eindrucksvolle Weise.
Die Wanderung zwischen den Dörfern des südlichen Hotzenwaldes, oft auf sonnigen Terrassen gelegen, und den schattigen Schluchten ist von reizvollen Kontrasten geprägt. Auf den nach Süden ausgerichteten offenen Flächen spüren wir die wärmende Sonne und genießen die weite Aussicht, während in den kühlen Schatten der Felsfluchten das Rauschen des Höllbachs für Abkühlung und Ruhe sorgt. Die Kombination aus sonnigen Höhen, schroffen Felsformationen und glitzernden Wasserfällen macht die Strecke zu einem kurzweiligen und dennoch abwechslungsreichen Ausflug.
Besonders für Hobbygeografen und Naturliebhaber bietet diese Tour spannende Einblicke in die Flussmorphologie, die geologische Geschichte der Region und die Dynamik der Erosionsprozesse. Insgesamt ist die Wanderung ein reizvoller Kurzausflug, der Natur, Landschaft und Wasser auf harmonische Weise miteinander verbindet und sowohl Entspannung als auch kleine Abenteuer bereithält.
Autorentipp
Begehen Sie die Tour an einem heißen Sommertag und bringen Sie Badebekleidung mit, eine Abkühlung in der Alb verbunden mit einem Picknick am Ufer lässt den Tag zu einem besonderen Erlebnis werden.
Wegbeschreibung
Der erste Abschnitt der heutigen Wanderung führt vom Parkplatz südlich der Kirche von Görwihl, 675m, zum nahen Marktplatz, mit der gelben Raute links in die Fischergasse und die Kaisermatte entlang bis kurz vor das Autohaus und zum Wegweiser Kaisermatte. Hier halten wir uns links und gelangen auf sanft geneigte Wiesen. Bald verändert die Umgebung ihr Gesicht: Beim Abstieg durch die Lochmühlenhalde dominieren steile, von Laubwald bestandene Hänge das Landschaftsbild. An der L153 wird der Wald für kurze Zeit verlassen und links haltend auf der Straße ein kurzes Stück angestiegen, bis die gelbe Raute wieder nach rechts weist. Von diesem Punkt hat man einen freien Blick in Richtung Albtal und kann die flussmorphologische Entstehungsgeschichte des Gebietes gut nachvollziehen. Im Süden lässt sich die Kuppe des 539m hohen Schlossberges erkennen sowie die vorgelagerte, flache Talmulde, in der sich die Ortschaft Tiefenstein befindet. Mithilfe einer topographischen Karte ist leicht nachzuvollziehen, dass es sich beim Schlossberg um einen Umlaufberg handeln muss. Die Alb floss ehemals gut 80Hm höher und bildete um den Schlossberg einen Mäanderbogen. Der zwischen Schlossberg und Etzwihl am ehemaligen Flussufer gelegene Prallhang wurde von der Alb durchbrochen, das Niveau des Flusslaufs durch Erosion tiefergelegt, was zum heutigen Erscheinungsbild der Landschaft führte.
Wir machen uns wieder auf den Weg, denn mit dem nahen Kaibenfelsen lockt das nächste sehenswerte Ziel am Wegesrand. Der Aussichtspunkt ist von der Wegkreuzung über den Albsteig in wenigen Minuten zu erreichen. Die letzten Meter zum schönen Rastplatz sind mit einem Geländer gesichert, jedoch ist der Weg nie wirklich schwer. Der Kaibenfelsen besteht aus Granit, der hier und in der Umgebung häufig zutage tritt. Verwitterungsprozesse wie die granittypische Wollsackverwitterung lassen sich an etlichen Stellen ideal studieren. Vom Kaibenfelsen steigen wir kurz zurück zur Kreuzung und folgen dem Albsteig nordwärts, der sich zunächst als breiter Weg präsentiert, sich jedoch bald als schmaler Pfad in Richtung Albsteg, 530m, senkt. Wir bleiben dem Albsteig treu und erreichen wenige Minuten später die Mündung des Höllbaches und nach dessen Überquerung einen weiteren herrlichen Vesperplatz, der uns zudem die Möglichkeit bietet, die formenden Kräfte des Wassers aus nächster Nähe zu betrachten. Am kleinen Albstrand können wir Wasserkolke und gerundete Flusskiesel anschauen und die gewaltige Erosionsleistung der Alb bestaunen.
Besonders im Hochsommer fällt es schwer, diesen herrlich kühlen Platz zu verlassen. Zudem steht nun der steile Anstieg durch die Höllbachschlucht an. Der teilweise schmale und bei Nässe rutschige Pfad führt kurzweilig hinauf zum großen Höllbachwasserfall. Das tief eingeschnittene Kerbtal des Höllbaches bildet den Einschnitt zwischen Görwihl und Burg und veranschaulicht beispielhaft das typische Gesicht der Schwarzwaldsüdabdachung, namentlich das Zusammenspiel aus schluchtartigen Tälern und sanft einfallenden Terrassen – ein Ergebnis der hohen Reliefenergie der dem Rhein zuströmenden Gewässer. Unser Weiterweg führt im Folgenden etwas eintönig am Hornstollen, 600m, vorbei über breite Forstwege zum Wegweiser Hintere Wühre. Wenige Meter weiter verlassen wir die Rautenmarkierung nach rechts und schlendern gemächlich direkt entlang des künstlichen Bachlaufs hinauf zum Wührenabgang, 730m. Geschickt wird das Wasser dem Höllbach entnommen und in die Kanäle geleitet – entfernt fühlt man sich an die Freiburger Bächle erinnert. Mit dem Weiterweg zur Grillhütte am Sägmoos läuten wir die Rückkehr nach Görwihl ein, wobei wir neben der Hütte auf die Markierung achten und die Straße überqueren. Ehe wir die Panoramawiesen oberhalb des Ortes erreichen sind noch einmal wenige Aufwärtshöhenmeter zu bewältigen. Anschließend gelangen wir von hübschen Fernblicken zu den Alpen begleitet zum Ortsrand und zur Kirche von Görwihl.
Ausrüstung
Wanderschuhe, Trekkingstöcke, dem Wetter angepasste Kleidung, Rucksackverpflegung.
Sicherheitshinweise
Am geländergesicherten Kaibenfelsen sollten Eltern ihre Kinder an die Hand nehmen, Absturzgefahr.
Buchempfehlungen des Autors
Diese und mehr Wanderungen mit geografischem Input finden Sie in:
- Schopp, Matthias (2019): GeoWandern Schwarzwald. 1. Auflage. ISBN: 978-3763332038, 40 Wanderungen im Schwarzwald mit geographischem Bezug.
Weitere Wanderführer zur Region:
- Pollmann, Bernhard (2019): Schwarzwald Süd. 11. Auflage. ISBN: 978-3763342174, 59 Wanderungen im Südschwarzwald.
- Kuhnle, Martin (2019): Schwarzwald Süd/Mitte Mehrtagestouren. 2. Auflage. ISBN: 978-3763344345, 9 Mehrtageswanderungen im Südschwarzwald.