Der hat gut lachen!
Über Humor, Komik und Lachen haben die Philosophen über die Jahrhunderte sehr viel nachgedacht. Man hat Humor mit Leichtigkeit und Geselligkeit in Verbindung gebracht, aber auch mit Nihilismus und Gottlosigkeit. Für die Forschung ist das Lachen-Können des Menschen bis heute ein hochinteressantes Feld. Vor seinem Vortrag zum Thema ›Philosophie des Humors‹ am 7. November 2025 um 18 Uhr an der vhs Bad Säckingen, hat Stattsofa den Philosophen Adrian Höhnemann gefragt: Warum lachen wir?
StattSofa: Warum finden wir etwas komisch?
Adrian Höhnemann: Das ist eine gute Frage, über die auch Philosophen bereits viel nachgedacht haben. Tatsächlich ist bis heute der Grund für unseren Humor nicht vollständig geklärt. Lachen wir nur für die Gesellschaft (Henri Bergson)? Ist Komik Zeichen einer existenziellen Grenzsituation (Helmut Plessner)? Erschaffen wir durch Humor eine nihilistische Welt, in der nichts zählt, weil nichts ernst genommen wird (G.W.F. Hegel)? Es gibt viele spannende Überlegungen zu Humor, Komik und Lachen.
StattSofa: Wir lachen, wenn wir Spaß haben. Aber das Lachen selbst vergnügt uns genauso. Und dann gibt es ja noch die Schadenfreude.
Adrian Höhnemann: Ja, das stimmt. Thomas Hobbes (1588-1679) war der erste, der annahm, dass es sich bei der Komik um einen Akt der Selbstaffirmation handelt: Man fühlt sich besser, indem man jemand anderen schlecht dastehen lässt. Wir lachen, wenn sich an fremden Fehlern die eigene Überlegenheit zeigt. Hobbes sagt, die wichtigsten Kriterien für Komik sind: Alterität (das Lachhafte muss anders sein), Defizienz (das Lachhafte muss schwach erscheinen) und Plötzlichkeit (nur ein schneller Scherz ist ein guter Scherz) à la:
»Wollen Sie ihre Tochter wirklich Claire nennen, Frau Grube?«
Die Überraschung – das Timing – macht die Komik. Wenn sich Dinge wiederholen, kann man nicht mehr über sie lachen. Hobbes gilt damit als typischer Vertreter einer Kontrasttheorie der Komik: Zwischen mir und dem Lächerlichen soll ein möglichst großer Kontrast oder Unterschied sichtbar werden.
StattSofa: Das ist ja fast ein bisschen böse! Könnten Sie uns noch eine Theorie vorstellen, bei der wir nicht über, sondern mit jemandem lachen?
Adrian Höhnemann: Sehr gerne. Immanuel Kant (1724-1804) war der Meinung: Um einen komischen Effekt zu erzeugen, muss man eine Erwartungshaltung aufbauen. Eine Situation, die auf Auflösung drängt.
»Gestern bin ich bei Grün über die Ampel gefahren und habe einen Strafzettel bekommen!« - »Aber bei Grün darf man doch?!«
Und im letzten Moment – der Pointe – muss sich der gesamte Sachverhalt plötzlich rückwirkend als Unsinn herausstellen.
»Ja, aber die Ampel kostet 2000 Euro...«
Durch den letzten Satz enttarnt sich die Situation als Scherz. Wäre der Schaden real, so Kant, wären wir betrübt. Daher ist es wichtig, dass ›Nichts‹ folgt. Weshalb finden wir solchen Unsinn komisch? Dafür hatte Kant eine psychosomatische Erklärung: Durch Lachen wird ein Gleichgewicht der Lebenskräfte im Körper hergestellt. Aber kann das überzeugen?
StattSofa: Das mit den Lebenskräften hört sich heute tatsächlich etwas fremd an. Umgangssprachlich sind wir aber dann doch irgendwie damit einverstanden, wenn wir sagen, dass Lachen gesund ist… Noch eine letzte Frage: Wann haben Sie zuletzt aus vollem Herzen gelacht? Und können Sie es sich erklären?
Adrian Höhnemann: Ich lache besonders viel beim zwanglosen Gespräch mit Freunden. Da reden wir oft eine Menge amüsanten Unsinn. Eine letztgültige Erklärung braucht es dafür meiner Meinung nach nicht. Mit dem Humor ist die Philosophie bis heute nicht „fertig“ geworden. Aber über ihn nachzudenken macht im besten Fall selbst eine Menge Spaß!
Fragen: Eduardo Hilpert