Gemeinschaftsprojekt Strohskulpturen

Die Strohskulpturen in Höchenschwand sind mehr als nur Kunstwerke – sie spiegeln Gemeinschaft und Tradition wider. Als der Kurort 2001 mit einem starken Gästerückgang zu kämpfen hatte, setzte Frank Porten darauf, die jahrhundertealte Strohhandwerkstradition durch einen Wettbewerb wieder ins Leben zu rufen. Mit Unterstützung der Dorfgemeinschaft entstand so ein Event, das nicht nur kreative Skulpturen hervorbringt, sondern auch den Zusammenhalt und die Identität Höchenschwands stärkt. Heute ist der Wettbewerb ein fester Bestandteil der regionalen Kultur. Wir sprechen mit Lukas Metzger, Mitglied der Schorebordkrächzer, über ihre Teilnahme und die Besonderheiten dieses Wettbewerbs.

Container
Interviewpartner Lukas Metzger © Chiara Palla

StattSofa: Wie lange im Voraus beginnen die Planungen für die Strohskulpturen?

Lukas Metzger: Die Ideen für die Skulpturen entwickeln sich oft über das ganze Jahr hinweg – mal spontan, mal aus Gesprächen im Verein oder durch Eindrücke von außen. Die konkrete Planungsphase für das aktuelle Projekt begann dann Anfang Juni, als aus ersten Ideen ein umsetzbares Konzept wurde und die eigentliche Umsetzung vorbereitet wurde.

StattSofa: Wie viele Menschen sind insgesamt an dem Projekt beteiligt – von der Planung bis zum Aufbau?

Lukas Metzger: Unser Team umfasste insgesamt 15 bis 20 Personen. Beim eigentlichen Bau der Skulptur waren in der Regel 6 bis 8 Mitglieder gleichzeitig vor Ort – je nachdem, wer gerade Zeit hatte. So konnte flexibel gearbeitet werden, und jeder brachte sich mit seinen Stärken ein.

StattSofa: Mit welchen Techniken wird das Stroh verarbeitet, und welche Herausforderungen bringt das Material mit sich?

Lukas Metzger: Beim Bau der Skulptur haben wir verschiedene Techniken angewendet. Dazu gehörte das Ausstopfen von Drahtformen, das Nachziehen von Konturen mit einzelnen Strohhalmen sowie die Herstellung traditioneller Strohdächer. Außerdem wurden Flächen mit Leim bestrichen und anschließend mit gehäckseltem Stroh oder Heu beklebt. Eine besondere Herausforderung bestand darin, schon während des Baus auf Stabilität und Langlebigkeit zu achten – schließlich sind die Figuren über Wochen hinweg Wind und Wetter ausgesetzt.

Konstruktion des Schlosses © Lukas Metzger

StattSofa: Was würden Sie sagen: Fördern die Skulpturen auch den Zusammenhalt im Dorf?

Lukas Metzger: Der Zusammenhalt im Dorf wird durch den Bau der Skulpturen auf jeden Fall gestärkt, denn dabei verbringt man viel Zeit gemeinsam und arbeitet als Team zusammen. Auch während der Veranstaltung trifft man sich immer wieder auf dem Platz, was das Gemeinschaftsgefühl weiter fördert.

StattSofa: Nutzen Sie ausschließlich regionales Material – und woher kommt das Stroh konkret?

Lukas Metzger: Für den Bau der Figuren verwenden wir Stroh und Heu von Landwirten aus unserer Gemeinde. Das Holz für die Unterkonstruktion stammt von einem Sägewerk im Landkreis sowie von einer Firma aus Höchenschwand.

Konstruktion des Elchs © Lukas Metzger

StattSofa: Wie lange halten die Skulpturen im Freien – und was passiert danach mit ihnen?

Lukas Metzger: Die Skulpturen stehen zunächst auf dem Ausstellungsplatz, bevor sie an anderen Orten präsentiert werden – zum Beispiel im Europapark in Rust. Zwar zeigt sich mit der Zeit, dass sie Wind und Wetter ausgesetzt sind, doch ein festes Haltbarkeitsdatum gibt es nicht. Manche Figuren sind sogar jahrelang an verschiedenen Orten zu sehen und wirken dabei fast wie am ersten Tag.

StattSofa: Gab es schon einmal einen Moment, in dem ein Werk fast gescheitert wäre – oder tatsächlich nicht geklappt hat?

Lukas Metzger: Zum Glück sind wir bisher nie in so eine Situation geraten. Wenn Probleme auftraten, haben wir sie immer als Team gemeinsam bewältigt.

Elchskulptur © Chiara Palla

 

StattSofa: Haben Sie eine Lieblingsskulptur, die Ihnen besonders am Herzen liegt – und warum gerade diese?

Lukas Metzger: Eigentlich gefallen mir alle Figuren sehr, aber wenn ich mich festlegen muss, würde ich das rund acht Meter hohe Schloss nennen – es zieht wirklich alle Blicke auf sich. Außerdem unseren Elch „Sven“, der seinen Kopf bewegt und dessen Hals aus einzelnen Ähren gefertigt ist. Das macht ihn für mich besonders lebendig.

StattSofa: Wenn Sie unbegrenzt Budget und Helfer hätten – was wäre Ihre „Traumskulptur“?

Lukas Metzger: Eine Traumskulptur zu bauen ist nicht einfach – viele Ideen lassen sich nicht realisieren. Aber wenn die Figur nach all der Arbeit endlich fertig ist, steht man voller Stolz vor dem eigenen Werk. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn der lange Prozess von Planung und Bau in diesem Moment sichtbar wird – und das alle zwei Jahre aufs Neue.

 

Das Interview führte unsere Mitarbeiterin Chiara Palla

Skulptur der Schorebordkrächzer © Lukas Metzger

Was Gibt es noch zu Sagen???

Lukas Metzger war vor allem für den Holzbau verantwortlich und beteiligte sich maßgeblich am Bau des Schlosses und der Schlossmauern. Der 22jährige Höchenschwander zeigt sich besonders begeistert von den feinen Details und Effekten, mit denen das einfache Material Stroh zum Leben erweckt wird.

Der zwöfte Höchenschwander Strohskulpturen-Wettbewerb kann bis zum 05. Oktober 2025 besucht werden.

Lukas Metzger und viele andere  Baumeister und Künstler freuen sich über Ihren Besuch...

Weitere Infos zum Rahmenprogramm etc. finden Sie auf der Homepage des Strohskulpturen-Wettbewerbs: