Berner und Neumann
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Trompete und Flügel im Dialog

Die jungen Musiker Sebastian Berner und Robert Neumann treten am 31. Oktober 2026 erstmals als Duo zusammen im Kulturzentrum Schloss Bonndorf auf. Sie vereinen die eher ungewöhnliche Kombination aus Trompete und Flügel zu einem harmonischen Zusammenspiel und zeigen die erstaunliche Vielfalt dieser Instrumente. Stattsofa hat die beiden Musiker interviewt.

- Man könnte meinen, es gibt einen großen Kontrast zwischen der lauten und dominierenden Trompete und der Harmonie und Sanftheit eines Flügels. Wie schaffen Sie ein angenehmes Zusammenspiel dieser beiden Instrumente?

Der große Reiz und das Mysterium einer jeden Kammermusik besteht in der überzeugenden Fusion verschiedener Klangfarben, Klangvorstellungen, manchmal ganzer Klangwelten. Es geht um ein stimmiges Gesamtbild, das sich nicht durch hervorgestellte solistische Eigenschaften, sondern durch sinnerfüllte Ergänzung auszeichnet. Das muss nicht immer mit Einheit in Ausdruck oder Geschmack einhergehen, Zerrissenheit oder Kontrahenz können mindestens ebenso stringent daherkommen.

 

- Herr Neumann, Ihr Duo-Partner Herr Berner spielt immer auf seinem eigenen Instrument. Wie ist es für Sie, sich immer wieder auf ein anderes Instrument einlassen zu müssen?

Es bewegt sich zwischen Fluch und Segen - sicher, ich muss nicht mit dem eigenen Instrument reisen. Das alleine ist bisweilen eine große Erleichterung, gerade angesichts abenteuerlicher Geschichten, die mir von Kollegen mit Cello oder Kontrabass zu Ohren kommen. Ich hingegen komme zum Ort des Geschehens und lerne jedes Mal ein neues Lebewesen kennen. Denn genau das ist es - der Flügel ist ein lebendiges Möbelstück aus Holz, Metall und Filz. Es gilt ihn kennenzulernen wie einen Menschen, und es gibt da mal harmonischere und mal widerspenstigere Begegnungen.

 

Robert Neumann © Marco Broggreve

stattsofa: Auf Ihren Konzerten haben Sie stets ein abwechslungsreiches Programm. Wie wählen Sie die Stücke aus, die Sie dann präsentieren? Gibt es bestimmte Kriterien?

Sebastian Berner: Für mich ist wichtig, dass mir die Literatur die wir spielen und die ich natürlich auch üben muss, gefällt und vielfältig ist. Man muss natürlich auch beachten für welches Publikum man spielt und wie man sich als Trompeter an so einem Abend die Kräfte einteilt.

Robert Neumann: Ein stimmig zusammengestelltes Programm hängt von verschiedenen Faktoren ab, keiner davon ist alleinig ausschlaggebend, aber an alle will ein klein wenig gedacht sein - Spannungsbogen, akustische und emotionale Toleranz, Grenzerfahrungen, schiere Programmlänge, Einteilung physischer Kondition, Verbundenheit zum jeweiligen Repertoire. Am Ende sollte es  eine Signatur tragen, und sei es die eines einzelnen Abends.

Sebastian Berner © Lukas Diller

stattsofa: Herr Berner, wie bricht man das klassische Klischee, dass die Trompete ein lautstärkeorientiertes und sehr dominantes Instrument ist?

Sebastian Berner: Man übt leise zu spielen.

stattsofa: Sie stehen ja beide auch viel solistisch auf der Bühne. Wie ist es daher, zu zweit aufzutreten und was ist das Schöne daran, gemeinsam auf der Bühne zu stehen?

Sebastian Berner: Als Trompeter kommt es selten vor, dass man ganz allein auf der Bühne steht. Duo mit Klavier zu spielen hat für mich einen besonderen Reiz, weil man viel näher am Publikum ist. Das bedeutet für mich, dass viel mehr musikalische Nuancen möglich sind als im Orchester oder solistisch mit Orchester. Und mit einem fantastischen Musiker wie Robert zu spielen bedeutet auch das Konzert gemeinsam mit ihm zu durchleben.

Robert Neumann: Die Bühne mit jemandem zu teilen, bedeutet jedes Mal das erneute Schleifen des eigenen Zuhörens. Es ist nicht das instrumentale Spiel, das dabei im Vordergrund steht, sondern die Abstimmung und der Austausch von Energien, Handlungen, Haltungen und Richtungen.

 

Interview: Sina Schmid, Landratsamt Waldshut