Das Kloster Berau im Schwarzwald – Eine Frauengemeinschaft zwischen Eigenständigkeit und Unterordnung
Begleitend zur Ausstellung "Der lange Atem der Berauer Nonnen" hält der Rottweiler Historiker Johannes Waldschütz einen Vortrag über das Berauer Kloster. Es schließt sich ein Rundgang durch die Ausstellung mit Erläuterungen an.
Vom ehemaligen Frauenkloster Berau ist heute nur noch wenig zu sehen. Die Klosterkirche steht nicht mehr, die Konventsgebäude sind nur noch als Wohnhäuser erkennbar und die Schätze des Frauenklosters (Altäre, Handschriften, Archivalien und Heiligenfiguren) sind über verschiedene Museen, Archive und Privatsammlungen verstreut. Auch die Geschichte des Klosters war bislang kaum erforscht. Dabei war Berau eines der großen Frauenklöster der Region. Zeitweise lebten mehr als 40 Nonnen in dem um 1110 gegründeten und 1834 aufgelösten Kloster. Der Vortrag zeichnet die über 700-jährige Geschichte des Klosters nach und geht dabei besonders auf das Verhältnis zwischen den Klosterfrauen und den sie betreuenden Männern von St. Blasien sowie auf die Lebensweise der religiösen Frauen ein. Dabei wird deutlich, dass die Berauer Meisterinnen über Jahrhunderte hinweg mit zum Teil unkonventionellen Methoden erfolgreich für größere Rechte ihres Konvents kämpften. Dazu gehörten nicht nur eine bessere finanzielle Ausstattung des Konvents und Entscheidungsbefugnisse für die Meisterin, sondern auch die Möglichkeit Pelz statt Habit zu tragen, das Klostergelände zu verlassen, Urlaub bei Verwandten zu machen oder auf Badereise zu gehen. Dies blieb jedoch nicht auf Dauer so: 1715 mussten sich die Frauen zu strengen Klausur und ewigem Gebet verpflichten. Der Vortrag beleuchtet aber auch die wechselvolle Geschichte des Frauenklosters in den Blick: die vielen Brände, die immer wieder den Wiederaufbau von Kirche und Klostergebäuden notwendig machten, die Bedrohung durch Kriege und Konflikte, aber auch die vielen herausragenden Kunst- und Alltagsgegenstände, die der Verein Historisches Berau mit großem Aufwand für die Ausstellung zusammengetragen hat.
Johannes Waldschütz ist Leiter des Stabsbereichs Archiv, Kultur, Tourismus und Kreisarchivar im Landkreis Rottweil. Er beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit der Geschichte des Klosters Berau und der Berauer Nonnen und hat dazu mehrere Aufsätze verfasst.